
Der
Sportarzt machte einen tiefen Zug aus seiner Zigarette,
dann sagte er fast beiläufig: »Das ist doch Profisport,
da geht es um Millionen. Und gerade im Radsport ist
bereits bei den Amateuren die physiologische
Leistungsgrenze erreicht. Schneller geht’s nicht, also
muss man von unten nachhelfen und oben die Konkurrenten
aus dem Feld räumen. Es ist Krieg und kein Sport.« Dabei
machte der Arzt eine hebende und eine schneidende
Handbewegung mit der flachen rechten Hand. »Mit Krieg
kennen Sie sich doch aus, Sie sind ja Feldmarschall.«
»Was heißt das denn?«
»Das heißt, der Junge braucht medizinische Unterstützung
auf höchstem Niveau und jemanden, der dafür sorgt, dass
die anderen Emporkömmlinge beizeiten in Ungnade fallen.
Durch Training und guten Willen allein ist ihm
jedenfalls nicht zu helfen.«
Der Vater und Manager des so hoffnungsfrohen
Radsportlers hatte kein Wort verstanden.
»Sie meinen doch nicht etwa Doping?«, fragte er
unsicher.
»Natürlich nicht«, tat Purini ab, »medizinische
Unterstützung für mehr Sauerstoff im Blut, weniger
Schmerzen beim Fahren und eine schnellere
Rekonvaleszenz. Dopen tun die anderen, da gibt es Leute,
die dafür Sorge tragen, dass genau der auffliegt, der
einem vor der Nase herumfährt. Das ist wie
Rinderhirnsuppe. Wenn Ihnen keiner sagt, dass der Koch
hineingespuckt hat, glauben Sie, es wäre ein Mittel
gegen Kopfschmerzen...«
Der alte Cavallucci war entsetzt: »Das sind doch mafiose
Methoden. Nein, nein und nochmals nein, dann ist der
Junge in zwanzig Jahren ein Invalide.«
Dr. Purini steckte seine Zigarette in eines der Fächer
des Aschenbechers. »Ja, ja, schon. Gewisse Risiken hat
die Sache. Aber das kriegen wir hin. Die Frage ist doch,
ob es ein armer oder reicher Krüppel ist. Oder glauben
Sie, dass z. B. ein Profifußballer nach dem Ende seiner
Karriere noch gesund ist? Der hat verkrüppelte und
verwachsene Füße und Zehen, als Kopfballspieler ein
erhöhtes Insultrisiko, einen Leberschaden und
Herzkammererweiterung usw.« |
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